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3 Fragen an… Bernhard F. Störkmann und Dr. Till Völger vom BFFS

11. Dezember 2020. 

Wir haben dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) drei Fragen zum Ausnahmejahr 2020 und den Plänen für das kommende Jahr gestellt. Bernhard F. Störkmann, Gesellschaftervertreter des BFFS, und Dr. Till Völger, GVL-Delegierter für die Synchronschauspieler*innen und Mitglied im BFFS-Vorstand, geben Antworten.

Bernhard Störkmann & Till Völger

Bernhard F. Störkmann &  Dr. Till Völger
© Kornelia Boje

Was ist Ihr Fazit für die Kreativwirtschaft im Jahr 2020?

In diesem Jahr war und ist auch für uns ein Thema allgegenwärtig: Corona. Mit unbarmherziger Härte hat diese Pandemie besonders die Kreativ- und Kulturwirtschaft getroffen. Die Schließung von Theatern, Kinos und Kulturstätten führte für viele Kulturschaffende zu einer Auflösung ihrer beruflichen Existenz. Die leider unzureichenden Hilfsprogramme von Bund und Ländern werden dauerhaft zu schweren Schäden in der bundesdeutschen Kulturwirtschaft führen. Das gilt insbesondere für die Schöpfung von Nischen-Repertoire und Arthouse-Produktionen, kleine Privattheater sowie andere Initiativen und Einrichtungen, die bislang die kulturelle Vielfalt sichergestellt haben.

Die Entwicklungen in diesem Jahr zeigen mit erschreckender Klarheit, dass im Kultursektor gravierende gesetzessystematische Lücken bestehen. Lücken, die viele Kulturschaffende durchs Raster fallen und in die Bodenlosigkeit stürzen lassen. Wäre hier den Forderungen der Kreativverbände nach konkreten Anpassungen Rechnung getragen worden, hätten sicherlich einige Mechanismen in dieser Krise greifen können.
Das Ende dieser Krise kann bislang nicht sicher vorhergesagt werden – nach diesem zweiten ist wohl noch ein dritter „Lockdown“ wahrscheinlich. Möglicherweise folgen auch noch weitere. Insofern gilt es für uns nach wie vor, Hilfsmaßnahmen auf den Weg zu bringen, die soziale Absicherung der Kulturschaffenden in den Fokus des Gesetzgebers zu rücken und die Lebensgrundlage der Kulturschaffenden zu sichern.

 

Wie werden Schauspieler*innen in 10 Jahren über 2020 reden, wenn sie davon erzählen?

Gerade für Schauspieler*innen bedeutet 2020 ein Jahr des existenziellen Kampfes. Ein Jahr der Depression, der Ausweglosigkeit, der Verzweiflung und des Wartens darauf „endlich wieder arbeiten“ zu dürfen.
Seit März 2020 war künstlerisches Schaffen kaum mehr möglich. In Zeiten, in denen aufgrund der besorgniserregenden Entwicklungen in der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung, des an Boden gewinnende Populismus, kulturelles und künstlerisches Schaffen eine wichtige Aufgabe hätte erfüllen wollen, können und müssen.
Vor diesem Hintergrund lässt sich heute schwer sagen, wie eine mögliche Rückschau auf 2020 aussehen wird. Das hängt vor allem auch davon ab, wie sich die Lage weiterentwickelt und ob in absehbarer Zeit doch noch effektive Hilfsmaßnahmen für Kulturschaffende etabliert werden. In jedem Fall wird man 2020 rückblickend als gravierenden Einschnitt in das Kulturleben und die kulturelle Vielfalt werten können. Ob es sich als Zäsur darstellt, die eine Veränderung mit sich brachte, oder ob 2020 in gewissem Maße ein „Anfang des Endes“ gelegen haben wird, muss die Zukunft zeigen. Wir werden jedenfalls alles daran setzen, dass letzteres nicht der Fall sein wird.

 

Welche Themen bei der GVL liegen dem BFFS als Gesellschafter der GVL im kommenden Jahr besonders am Herzen?

Es ist schon viel getan, aber es liegt auch noch ein sehr langer Weg vor uns. Weiterhin ist die drängendste Aufgabe, die Vergütung der Berechtigten durch die GVL so auszugestalten, dass ein reibungsloser Ablauf gewährleistet wird. Hier stehen wir noch immer vor technischen und rechtlichen Hürden, die genommen werden müssen. Als Gesellschafter wird der BFFS weiterhin darauf hinwirken, dass auch der Gesetzgeber in die Pflicht genommen wird, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Für den Filmbereich ist es beispielswiese unumgänglich, dass über einheitliche Identifikatoren – wie die sogenannte ISAN – eine effektive Datenverarbeitung sichergestellt wird.

Wir wünschen uns, dass in 2021 die Schauspieler*innen die GVL wieder als ihre Verwertungsgesellschaft wahrnehmen, in deren Arbeit sie Vertrauen haben und bei der sie ihre Rechtewahrnehmung gut aufgehoben sehen. Ein wesentlicher Eckpfeiler ist also auch, dass die GVL in ansprechender Weise über ihre wichtige Arbeit so informiert, dass die Botschaften bei den Schauspieler*innen verständlich ankommen.

Nach alledem sind wir allerdings auch sehr zuversichtlich, dass diese Aufgaben gemeistert werden können. Denn aus den verschiedenen Sitzungen, persönlichen Gesprächen und auch den neu angestoßenen Initiativen wissen wir, dass die Mitarbeiter*innen der GVL mit viel Energie und Herzblut dabei sind. Für diese Anstrengungen schulden wir schon jetzt unseren Dank, mag auch noch ein gutes Stück des Weges vor uns liegen.